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Magazin | 19.06.2008
STERBEURSACHEN

Warum wir sterben

Robert L. Dorit
Statistiken belegen die sprunghafte Entwicklung der Lebenserwartung in der Neuzeit, beantworten jedoch nicht die grundlegende Frage, weshalb der Mensch überhaupt sterblich ist.
Nur selten stelle ich mir meinen eigenen Tod vor. Wenn ich es tue, dann in sehr verschiedenen Szenarien. Manchmal denke ich mir einen plötzlichen, unerwarteten Tod, einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Autounfall – Tribut an die Unvorhersagbarkeit des Lebens. Lieber ist mir allerdings die Vorstellung eines sanfteren Übergangs weit in der Zukunft, wenn mein Körper verbraucht ist und ich bereit bin zu gehen, ohne dass ich meine Lebensspanne schon überzogen hätte. Meine Geschichte wird jedenfalls ein Ende haben – nur weiß ich noch nicht, wie es aussehen wird.

Wahrscheinlich sind wir die einzigen Lebewesen auf der Erde, die sich ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst sind. Doch trotz der zentralen Rolle des Todes für das Selbstverständnis des Menschen ist unser Ableben ein biologisches Phänomen, das sich bisher einer Erklärung weit gehend entzieht. Schicksale und Unfälle beenden manches Leben, doch davon einmal abgesehen können wir die einfache Frage bisher nicht beantworten, weshalb wir eigentlich sterben. Die Frage ist nur scheinbar einfach, und darauf gibt es auch sicher mehr als eine Antwort, denn jeder stirbt letztlich auf seine eigene Art. Doch hier geht es nicht um eine Schau vieler individueller Schicksale, sondern um eine allgemeingültigere Antwort, die auf der materiellen Grundlage unserer Existenz basiert und die verschiedenen Muster der menschlichen Sterblichkeit erklären soll. Für diese Betrachtung will ich Todesfälle durch äußere Ursachen wie Unfälle oder Gewaltverbrechen außer Acht lassen, da sie uns nur wenig über die biologischen Grundlagen der Sterblichkeit sagen.

Unsere Arten zu sterben haben sich im Lauf der Menschheitsgeschichte gewandelt. Fossilien des frühen Homo sapiens lassen Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Ursache des Todes zu. Anhand des Zustands der gefundenen Skelette und der Abnutzung ihrer Zähne schätzt man die damalige mittlere Lebenserwartung auf 25 Jahre. Für jüngere Epochen (Zehntausende von Jahren später), in denen bereits schriftliche Aufzeichnungen und Grabinschriften üblich wurden, können wir die Lebensspanne wesentlich genauer beurteilen. Sie zeigt eine dramatische Entwicklung: Erst in den letzten tausend Jahren haben sich die Lebenserwartung und die Faktoren, die sie beeinflussen, deutlich verändert.

In den USA zum Beispiel prognostiziert die Social Security Administration bis zum Jahr 2050 einen Anstieg der mitt leren Lebensdauer auf 77 Jahre für Männer und auf 83 Jahre für Frauen. Dies entspricht einer Verdreifachung der Lebenserwartung zum Geburtszeitpunkt innerhalb von nur 50 Generationen.

Wie ist diese enorme Veränderung zu erklären? Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass ...
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» Spektrum der Wissenschaft, Juli 2008
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